Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Buchtipp: “Toter Himmel” von Gilly MacMillan

toterhimmelDie frisch geschiedene Rachel erlebt den Alptraum aller Eltern: während eines Spaziergangs im Wald verschwindet ihr 8jähriger Sohn Ben spurlos. Und als wäre das noch nicht genug, wendet sich nach einem unglücklich verlaufenen Presseauftritt auch noch die Öffentlichkeit gegen sie und überzieht sie im Internet mit Hasstiraden. Die polizeilichen Ermittlungen verlaufen zäh und machen auch vor sorgfältig gehüteten Familiengeheimnissen nicht Halt, so dass Rachel sich nach und nach von Polizei, Freunden und Familie im Stich gelassen fühlt und schließlich niemandem mehr traut.

Die Autorin schildert packend die Frustration der ermittelnden Polizeibeamten, die auch persönliche Probleme mit in den Fall bringen, und den immer offensichtlicher werdenden psychischen Ausnahmezustand Rachels, der schließlich zum Zusammenbruch führt. Das Buch ist intensiv, berührend und außerdem auch noch spannend, denn die Hintergründe für die Entführung werden erst sehr spät aufgedeckt.

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Buchtipp: “Ich komm auf Deutschland zu” von Firas Alshater

Firas Alshater, erfolgreicher Youtuber, Comedian und endlich auch Schauspieler (sein Jugendtraum), sieht aus wie ein ganz normaler junger Berliner Hipster: Bart, Piercing, Tattoos, coole Shirts.  Aber er lebt erst seit 2013 als anerkannter politischer Flüchtling in Berlin, davor wurde der gebürtige Syrer wegen seiner politischen Aktionen sowohl vom Assad-Regime als auch von Islamisten verfolgt und auch gefoltert. Trotz dieser furchtbaren und traumatischen Erlebnisse hat er sich eine grundsätzlich positive und heitere Lebenseinstellung bewahren können, die sich auch in seinem Buch widerspiegelt. Charmant, witzig und (selbt-)ironisch erzählt er von seinem Leben in Syrien, den schönen und den furchtbaren Dingen, die er dort erlebt hat, der Ausreise und Ankunft in Deutschland und seinen Erfahrungen mit den Deutschen. Einiges findet sich auch in seinen sehr sehenswerten YouTube-Clips (ZUKAR-Stückchen), wo er sich auf amüsant-ironische Weise mit der Situation von Flüchtlingen in Deutschland auseinander setzt, mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen und mit Vorurteilen gegenüber Deutschen. Sein Plan: den Hass einfach weglachen!

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Buchtipp: “Liebe Fanatiker” von Markus Tiedemann

fanatikerNur zufällig bin ich in der Bibliothek über dieses kleine Buch gestolpert, der Titel schien mir widersprüchlich, und der Untertitel “Gegen extreme Überzeugungen” machte mich neugierig: wie wären die Argumente wohl formuliert? Ironisch? Emotional? Sachlich? Nur kurz reinschauen wollte ich, und dann habe ich mich mit steigendem Interesse festgelesen. In 33 kurzen Briefen werden religiöse und ethische Grundfragen erläutert, wie zum Beispiel “Gibt es einen Gott oder gibt es keinen?”, “Wieso tun sich Religionen so schwer mit der Gleichberechtigung?” oder “Kann ein Atheist ein guter Mensch sein ?” Wer jetzt denkt “Oh, schwere Kost”, liegt damit völlig falsch.  Zwar werden Thesen hinterfragt, mögliche Lösungen und Antworten erörtert und extreme und fanatische Glaubenshaltungen mit sachlichen Argumenten widerlegt, aber das Ganze geschieht so leicht, unterhaltsam und gut verständlich, dass das Mitdenken überhaupt nicht schwer fällt.

Unterm Strich wirbt der Autor, der als Professor für Philosophiedidaktik und Ethik an der TU Dresden lehrt, für Offenheit und Toleranz Andersdenkenden gegenüber und entzieht religiösem Fanatismus gleich welcher Couleur den Boden. Die Briefe wurden übrigens bereits 2015 als Serie in der “Frankfurter Rundschau” veröffentlicht.

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Buchtipp: “Sitzen vier Polen im Auto” von Alexandra Tobor

Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es wohl sein mag, wenn man ohne jegliche Sprachkenntnisse in einem fremden Land mit unbekannter Kultur ankommt und welche Hürden man bei der Integration wohl meistern muss? Nach der Lektüre dieses unterhaltsamen, autobiografisch gefärbten Romans ist mir nun einiges klarer. Zwar geht es hier um die Migration einer polnischen Familie nach Deutschland kurz vor dem Mauerfall, aber die Erlebnisse dieser Familie können sich leicht auf die Gegenwart und die heutige Situation von Flüchtlingen in Deutschland übertragen lassen.

Die 8jährige Ola verlässt 1989 mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder die polnische Heimat, weil sie dort keine Perspektive haben. Im “Goldenen Westen” angekommen, leben sie – genau wie die Flüchtlinge heute – zunächst in Massenunterkünfte und Schlichtwohnungen. Das deutsche Alltagsleben ist ganz fremd und ungewohnt, die Familie kämpft mit der deutschen Sprache, den Behörden und den Vorurteilen in der deutschen Bevölkerung. Und natürlich sind die Eltern, obwohl gut ausgebildet, erst einmal arbeitslos. Das könnte alles todtraurig und deprimierend geschrieben sein, ist es aber nicht. Ola erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, teils kindlich-naiv, teils ziemlich scharfsinnig und auf den Punkt gebracht, auf jeden Fall aber immer sehr leicht und amüsant. Und am Ende ist Ola glücklich und wirklich angekommen in ihrer neuen Heimat.

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Buchtipp: “MUC – die verborgene Stadt” von Anna Mocikat

Erst im Juli habe ich den Postapokalypse-Roman “MUC” empfohlen, nun habe ich auch den Folgeband gelesen und möchte ihn ebenfalls hier vorstellen.

muc2Die Kletterkünstlerin Pia lebt mittlerweile schon seit einem Jahr bei den Hades-Rebellen in MUC (ehemals München) und erkundet immer noch begeistert die Stadt und ihre verlassenen Hochhäuser. Nachdem der Konflikt mit der Oberstadt, von dem der erste Band handelt, beigelegt ist, droht nun allerdings neues Unheil: Die Machthaber der im Nordosten gelegenen Metropole Utilitas (ehemals Frankfurt am Main) planen eine Invasion, um ihren Machtbereich auszudehnen und außerdem Pia zu entführen. Denn Pia mit ihren schwarzen Haaren ist unter all den ausschließlich rothaarigen Überlebenden der großen Virus-Epidemie etwas Besonderes. Um Utilitas abwehren zu können, verbünden sich die Bewohner der Ober- und der Unterstadt und schicken außerdem Elias aus der Oberstadt und Pia aus dem Hades auf die gefährliche Mission, die verborgene Stadt im Nordosten von MUC zu finden und deren Bewohner um Hilfe zu bitten.

Der Roman kann zwar auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gelesen werden, macht aber mehr Spaß, wenn man die Protagonisten und die Vorgeschichte kennt. Der Autorin ist erneut ein spannender und abenteuerreicher Roman mit dem einen oder anderen Gruseleffekt gelungen.

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Buchtipp: “MUC” von Anna Mocikat

mucSüddeutschland im Jahr 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem fast die gesamte Menschheit zum Opfer fiel und das nur rothaarige Menschen überlebten, verlässt die dunkelhaarige Außenseiterin Pia die Enge ihres abgelegenen Heimatdorfes in den Alpen. In der sagenumwobenen Stadt MUC (vormals München) möchte sie ihren verschollenen Bruder suchen. Anstelle des erhofften Paradieses findet sie jedoch eine albtraumhafte Stadt vor, in der die verarmten Bewohner von einem strenggläubigen Diktator beherrscht werden. Sie schließt sich einer Rebellentruppe an, die sich in den Katakomben unter der Stadt eine Heimat geschaffen hat und von Diebstählen und Raubzügen lebt. Auf einer Beutetour in die reiche Oberstadt macht Pia eine unglaubliche Entdeckung.

Die Autorin zeichnet ein beklemmendes Bild einer möglichen postapokalyptischen Zukunft. Ich habe mir beim Lesen durchaus die Frage gestellt, was wohl von unserer Zivilisation übrig bleiben mag, wenn unser heutiges Wissen und unsere technischen Errungenschaften auf Grund einer Katastrophe von heute auf Morgen verloren gehen?

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Buchtipp: “Wir Erben” von Julia Friedrichs

ErbenDie freie Journalistin Julia Friedrichs hat schon mehrere sozial- und gesellschaftskritische Reportagen veröffentlich. In ihrem neuesten Buch beschreibt sie einen noch wenig bekannten, aber dennoch stetig wachsenden Teil der Gesellschaft: die Gruppe der Menschen, deren Leben durch ein (mehr oder weniger großes) Erbe bestimmt wird. Für das Buch interviewte sie viele Angehörige dieser “Parallelgesellschaft”:  Menschen, denen das ererbte Geld peinlich ist; Erben, die sich mit ihren Miterben völlig zerstritten haben; Menschen, die durch ihr immenses Erbe keinen echten Sinn in ihrem Leben mehr finden können; Menschen, die enterbt wurden oder selbst enterben. Und sie stellt die Frage, warum in unserer Gesellschaft, in unserem Staat, Arbeitsleistung benachteiligt und Erbvermögen begünstigt wird. Die poltische und persönliche Dimension ist dabei sehr ausgewogen, Gesellschaftskritik geht Hand in Hand mit echtem Interesse für die Interviewpartner. Alles in allem ein interessantes Buch zu einem interessanten Thema.

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Buchtipp: “Teenie-Leaks” von Paul Bühre

teenieUnd schon wieder empfehle ich einen Bestseller: Der 15-jährige Berliner Gymnasiast Paul Bühre gewährt auf amüsante Art und Weise einen Einblick in die Welt der heutigen Jugendlichen – zumindest der männlichen. Der Untertitel des Buches lautet vielsagend: “Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)”. Dementsprechend kann man alles mögliche erfahren über  die Haltung von halbwüchsigen Jungs zu Freunden, Eltern, Erziehungsmethoden, Liebe, Sex, Pubertät, Klamotten, Kommunikation, Computerspielen und so weiter. Das Fazit ist: die Jugend von heute ist eigentlich ganz normal und auf keinen Fall so schlimm, wie manche Erwachsene glauben (oder befürchten) …

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Buchtipp: “Ein Mann namens Ove” von Fredrik Backman

OveEigentlich empfehle ich nicht so gerne Bücher, die es ohnehin schon auf die Bestsellerliste geschafft haben. Aber ab und zu mache ich auch eine Ausnahme, zum Beispiel für diesen Titel 😉 Denn ich habe das Buch ausgesprochen gern gelesen und habe mich dabei nicht nur amüsiert, sondern war auch angerührt von der Geschichte um den mürrischen Eigenbrötler Ove. Der 59jährige Frührentner nervt die ganze Reihenhaussiedlung mit seiner Pedanterie, bis im Haus nebenan eine junge schwedisch-iranische Familie einzieht und sein sorgsam organisiertes Leben gehörig auf den Kopf stellt. Das ergibt äußerst komische Szenen, vor allem, weil Ove so ein knurriger und grummeliger Besserwisser ist. Parallel dazu wird Oves Lebensgeschichte erzählt, und langsam aber sicher wächst einem der vom Schicksal gebeutelte Mann ans Herz – weil man erkennt, wie er zu dem Mann wurde, der er ist. Kurzum, dem Autor ist ein witziges und herzerwärmendes Buch gelungen!

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Buchtipp: “Americanah” von Chimamanda Ngozi Adichie

adichieDer Roman hat mir eine neue Welt eröffnet, die Welt der Nigerianerin Ifemelu, die in Lagos geboren und aufgewachsen ist und sich dort in Obinze verliebt. Als die politischen und gesellschaftlichen Zustände in Nigeria ihr Studium nahezu unmöglich machen, emigriert sie in die USA, um dort zu studieren. Doch mit schwarzer Hautfarbe ist es schwer, in Amerika Fuß zu fassen, vor allem, wenn man so unverblümt ehrlich ist wie Ifemelu. Nach mehreren Rückschlägen gelingt es ihr endlich, ein etabliertes und überwiegend zufriedenes Leben zu führen. Und doch zieht es sie nach 13 Jahren wieder zurück in Ihre Heimat Nigeria und zu ihrer große Liebe Obinze.

Die Autorin, selbst gebürtige Nigerianerin, schildert nicht nur plastisch die deprimierenden Verhältnisse in Nigeria, die dazu führen, dass viele Gebildete das Land verlassen wollen, sondern auch die oft negativen Erfahrungen der beiden Hauptpersonen als Migranten in England (dem Emigrationsziel Obinzes) und den USA. Die unterschiedlichen Lebenswelten von Schwarzen und Weißen und der in in beiden Ländern herrschende alltägliche Rassismus werden sehr deutlich. Letztendlich ist das Buch aber die klug und mitreißend erzählte Lebensgeschichte einer starken Frau, die sich durch die Umstände nicht unterkriegen lässt und beharrlich ihre Lebensziele und Träume verfolgt.

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