Schlagwort-Archive: Historisches

Buchtipp des Monats: “Kreuzschnitt” von Oistein Borge

In Saint-Tropez wird der 90jährige Axel Krogh ermordet. In den Rücken des schwerreichen norwegischen Unternehmers hat der Mörder ein Kreuz geschnitten, und er  hat ein kleines Bild eines unbekannten Malers mitgenommen – sonst nichts. Der Osloer Kriminalkommissar Bogart Bull wird zur Unterstützung der örtlichen Kripo nach Frankreich entsandt und hat wenige Tage später 2 Morde aufzuklären: auch Kroghs Tochter Ella ist tot, ihren Rücken “ziert” ebenfalls ein Kreuz. Bei seinen Ermittlungen stoßen Bull und sein französischer Kollege bald auf eíne Verbindung zu einem grausamen Verbrechen während des 2. Weltkriegs …

Der Krimi verbindet die Gegenwart und die Vergangenheit auf eine Weise, dass lange nicht wirklich klar wird, welches Verbrechen 1943 von wem begangen wurde und wie das alles mit dem Mord an Axel Krogh zusammenhängt. Mein Fazit: ein spannender Krimi mit historischem Touch!

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Buchtipp: “Sie kam aus Mariupol” von Natascha Wodin

Die Autorin wurde 1945 in Franken als Tochter sowjetisch-ukrainischer Zwangsarbeiter geboren und hat 1956 als 10jährige den Selbstmord ihrer psychisch kranken Mutter erlebt. Erst Jahrzehnte später macht sich Natascha Wodin auf die Suche nach ihren tief in der Geschichte versunkenen Wurzeln und fördert mit viel Glück, Geduld  und Unterstützung durch einen ukrainischen Ahnenforscher Erstaunliches zu Tage: Ihre Mutter stammte aus einer wohlhabenden ukrainisch-italienischen Familie, die in den Jahren der russischen Revolution, der Zwangskollektivierungen unter Stalin und den darauf folgenden Hungerjahren Furchtbares erdulden musste. Als 23jährige wurde sie 1944 gemeinsam mit ihrem russischen Ehemann zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und blieb auch nach dem Krieg dort –  wohl, weil Überlebende der Zwangsarbeit in Russland als Kollaborateure der Nazis und damit als Volksverräter galten. Glücklicher wurde das Leben im Nachkriegsdeutschland allerdings nicht, denn die Familie wurde aufgrund ihrer Nationalität immer noch von den meisten ihrer Mitbürger verachtet.

Natascha Wodin nähert sich ihrer Familiengeschichte langsam und vorsichtig, nimmt den Leser mit in die lebensbedrohliche Geschichte der Ukraine zwischen kommunistischer Revolution und Besetzung durch Nazideutschland und schält langsam das ergreifende Schicksal ihrer Familie heraus. Letztendlich kann sie so auch ihre Mutter mit neuen Augen betrachten.

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Buchtipp: “Trümmerkind” von Mechthild Borrmann

borrmannDrei rätselhafte Erzählstränge verbindet die Autorin hier zu einer spannenden Geschichte um gut gehütete Familiengeheimnisse. Da ist zum einen die Gutsbesitzerfamilie Anquist in der Uckermark, die nach Kriegsende derartig von den einmarschierten Russen drangsaliert wird, dass sie beschließt, gemeinsam mit einer anderen Flüchtlingsfamilie nach Westen zu fliehen. Ungefähr zur gleichen Zeit kämpfen Agnes Dietz und ihre beiden halbwüchsigen Kindern Hanno und Wiebke im zerstörten Hamburg gegen Kälte und Hunger. Als Hanno auf der Suche nach Brauchbarem für den Schwarzhandel auf einen kleinen verängstigten Jungen stößt, der offensichtlich keine Angehörigen mehr hat, nimmt seine Mutter das Kind spontan in die Familie auf und zieht es wie ihre eigenen Kinder auf. In der Gegenwart schließlich sucht die Lehrerin Anna Meerbaum nach den Wurzeln ihrer Familie in Ostdeutschland und stößt dabei auf irritierende Unstimmigkeiten. Wie das alles zusammenhängt, wie die Vergangenheit das Leben in der Gegenwart immer noch beeinflusst, das alles schildert die Autorin sehr eindringlich. Seite für Seite verflechten sich die drei Handlungsstränge immer mehr, bis am Ende alle Rätsel gelöst sind und die Tragik des Geschehenen offensichtlich wird. Zwar werden in dem Roman auch mehrere Todesfälle geklärt, aber dennoch ist das Buch eher ein zeitgeschichtlicher Familienroman als ein klassischer Krimi.

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Buchtipp: “Rabenfrauen” von Anja Jonuleit

rabenfrauenDas Thema dieses sehr packenden Romans ist das Schicksal einer jungen Frau, die in den Bann der christlichen Sekte “Colonia Dignidad” gerät, für diese Gemeinschaft ihr Leben in Deutschland hinter sich lässt und alle Brücken hinter sich abreißt. Die Autorin hat umfangreiche Hintergrundrecherchen für ihr Buch durchgeführt, war selbst in Chile und hat mit ehemaligen Sektenmitgliedern gesprochen. Dieser reale Hintergrund macht die Geschichte umso beklemmender.

Zum Inhalt: Die Freundinnen Ruth und Christa lernen im Sommer 1959 Erich kennen, der zu einer Gruppe freikirchlicher Christen gehört. Beide verlieben sich in ihn, aber nur Christa gerät dadurch immer mehr in den Bann der Freikirchler, bis sie schließlich ihre Heimat verlässt und mit Erich und “Onkel Paul” (dem Sektenführer Paul Schäfer) nach Chile auswandert – das Schicksal beider Freundinnen verändert sich für immer.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Ruth, Christa und Ruths Tochter Anne erzählt. Dabei wird deutlich, wie perfide das totalitäre Sektensystem der “Colonia Dignidad” funktioniert hat, das mit Hilfe von Ausbeutung, Bespitzelung, psychischem Druck und physischer Gewalt seine Mitglieder auf Linie gebracht und sie nach und nach ihrer persönlichen Würde beraubt hat.

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Buchtipp: “Der Schatz des Herrn Isakowitz” von Danny Wattin

isakowitzDas Buchcover deutet auf einen heiteren Familienroman oder einen modernen humorvollen Abenteuerroman hin. Zum Teil stimmt das auch, wird doch auf sehr amüsante Art und Weise von einer ungewöhnlichen Schatzsuche berichtet, die Opa Gunnar, Vater Danny und seinen 9jährigen Sohn Leo aus Schweden ins polnische Kwidzyn (das frühere ostpreußische Marienwerder) führt. Amüsant sind vor allem die Plänkeleien zwischen Gunnar und Danny, die gerne mal aneinander geraten, und die Berichte über die merkwürdigen Eigenheiten der vielzähligen Verwandtschaft.

Aber schnell wird klar: es handelt sich um die wahre und gut recherchierte Geschichte der jüdischen Familie des Autors, die aus Deutschland stammt und die den Nationalsozialismus nur zum Teil überlebt hat. Nach und nach wird das Schicksal der Verwandten aufgeblättert, wie sie unter den Nazis litten, wie einigen Familienmitgliedern die Flucht nach Schweden, Argentinien oder Palästina gelang, von wo aus sie unermüdlich versuchten, Eltern oder Geschwister nachzuholen, und wie andere Verwandten inhaftiert oder ermordet wurden. Und er erzählt,wie schwer das Leben als unwillkommener jüdischer Flüchtling im Schweden der 30er und 40er Jahre war.

Danny Wattin kann nicht nur gut schreiben, er hat auch die beiden Handlungsstränge so gut miteinander verknüpft, dass man beim Lesen in ein wahres Wechselbad der Gefühle gerät, bei dem das Lachen immer wieder im Halse stecken bleibt. Ich kann den Roman unbedingt weiterempfehlen! Und der Schatz? Der Urgroßvater des Autors, Hermann Isakowitz, vergrub vor seinem Verschwinden “das Wertvollste, was er besaß, unter einem Baum auf seinem Grundstück” …

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Buchtipp: “Das Lachen und der Tod” von Pieter Webeling

webelingDer Komiker Ernst Hoffmann wird als niederländischer Halbjude 1944 nach Auschwitz deportiert. Noch auf dem Transport lernt er im Viehwaggon Helena Weiss kennen und verliebt sich sofort in sie. Doch in Auschwitz werden beide getrennt. Trotz des allgegenwärtigen Grauens, das die Tötungsmaschinerie der Nazis verbreitet, verliert Ernst nie die Hoffnung – die Liebe zu Helena gibt ihm Kraft. Um seine Mithäftlinge vor der totalen Verzweiflung zu bewahren und sie ein wenig von dem brutalen Lageralltag abzulenken, gibt der Vollblutkomiker in seiner Baracke abends Vorstellungen und erzählt Witze. Als der deutsche Lagerkommandant von diesen erfolgreichen Auftritten erfährt, zwingt er Ernst dazu, vor den Nazis spielen. Ernst ergreift diese Gelegenheit und lässt sich auf ein unsicheres Arrangement ein, da das die einzige Möglichkeit ist, sich selbst und Helena vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Der Autor hat mit großer Sorgfalt recherchiert, das Grauen des Todeslagers wird mit deutlichen Worten geschildert. Einen Gegenpol dazu bildet die warmherzig beschriebene Figur des Ernst Hoffmann. Sein Mitgefühl, seine Menschlichkeit und sein Lebensmut lassen ein Licht der Hoffnung in all der Brutalität und des Wahnsinns leuchten – und gerade deshalb ist das Buch unbedingt lesenswert!

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