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Buchtipp des Monats: “Der Mann, der zu träumen wagte” von Graeme Simsion

Wer Musik aus den 60er und 70er Jahren liebt und außerdem auch noch gerne Romane liest, kommt hier voll auf seine Kosten. Die Hauptfigur Adam Sharp, IT-Berater und begnadeter Pianist, erzählt anhand von Songs aus dieser Zeit die Geschichte der großen Liebe seines Lebens. Mit 26 Jahren lernt er in einer Bar in Melbourne die junge Schauspielerin Angelina kennen, und es beginnt eine leidenschaftliche und intensive Liebesbeziehung, in der Musik eine wichtige Rolle spielt. Als Adam Australien aus beruflichen Gründen verlassen muss, verlieren die beiden sich aus den Augen. Mehr als 20 Jahre später nimmt Angelina erneut Kontakt mit Adam auf, worauf sich eine merkwürdige Dreierbeziehung zischen Adam, Angelina und ihrem Mann Charlie entwickelt. Und wieder bilden die Songs aus den 60er und 70er Jahren die musikalische und auch inhaltliche Kulisse. Das liest sich sehr schön, und ich empfehle dringend, dem Rat des Autors zu folgen und und die Songs beim Lesen tatsächlich auch zu hören (es gibt eine Playlist am Ende des Buches). Ich habe es aus Bequemlichkeit leider nicht getan, aber der eine oder andere Song war mir bekannt und klang zumindest in meinem Kopf mit – und ich muss zugeben, dass es die Geschichte noch lebendiger gemacht hat.

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Buchtipp des Monats: “Sieh mich an” von Mareike Krügel

Katharina ist Anfang 40, berufstätige Mutter zweier halbwüchsiger Kinder und Ehefrau von Costas, mit dem sie zur Zeit eine stressbeladene Wochenendbeziehung führt. Sie beschreibt einen einzigen – eigentlich ganz normalen – chaotischen Tag in ihrem Leben. Und doch ist an diesem Tag alles anders: sie hat ein “Etwas” in ihrer Brust entdeckt, und ihr eigener möglicher Tod wirft sie völlig aus der Bahn. Sie hinterfragt ihre Ehe, ihr Dasein als Mutter und ihre berufliche  Karriere als Musikerzieherin im Kindergarten, sie lässt alle Höhen und Tiefen ihres Lebens gedanklich Revue passieren, während sie sich dem Wahnsinn ihres Alltags stellt. Am Ende des Tages kann sie Costas zumindest von dem “Etwas” in ihrer Brust erzählen, wenn auch auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

Es ist berührend zu lesen, wie Katharina durch ihre Entdeckung in einen Strudel aus wechselnden Emotionen hineingezogen wird, aus dem sie nur schwer wieder herausfindet, und natürlich fragt man sich unwillkürlich, wie man wohl selbst reagieren würde. Die dichte Atmosphäre des Romans tut ihr übriges, so dass man sich gut mit Katharina identifizieren kann.

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Buchtipp des Monats: “Und jetzt lass uns tanzen” von Karine Lambert

Marguerite und Marcel haben schon ein langes Leben hinter sich, als sie sich in einem Kurheim kennen lernen – sie ist 78, er 73 Jahre alt.  Aus der anfänglichen bloßen Sympathie wird schnell Liebe – sehr zum Missfallen von Marguerites Sohn, der alles versucht, um seine Mutter von Marcel fern zu halten. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz finden die beiden Liebenden letztlich zusammen und genießen ihren späten Lebensabend als glückliches Paar.

Die Autorin hat eine anrührende Liebesgeschichte geschrieben, die sehr französisch daherkommt – leicht, charmant und mit einem Hauch Melancholie.

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Buchtipp des Monats: “Willkommen bei den Friedlaenders!” von Adrienne Friedlaender

Der Untertitel des Buches beschreibt das Thema gar nicht schlecht: ” Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan”. Aber der Reihe nach: Adrienne Friedlaender und ihre vier Söhne beschließen ziemlich spontan, selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden und einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen. So kommt für einige Monate der 22jährige Moaaz aus Syrien zu der Familie – und integriert sich schnell und gut ins Familienleben, trotz mancher Irritationen und Missverständnisse. Die Autorin, von Beruf Journalistin, beschreibt in diesem Erfahrungsbericht sehr ehrlich die Herausforderungen, die so eine Aktion mit sich bringt, aber auch die schönen und lustigen Momente des interkulturellen Zusammenlebens. Sie macht Mut, auf das Fremde  bzw. den Fremden zuzugehen und mehr auf das Verbindende als auf das Trennende zu schauen. Ein positives Beispiel, das Nachahmer finden sollte!

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Buchtipp des Monats: “Gray” von Leonie Swann

Dr. Augustus Huff, seines Zeichens Dozent für Anthropologie an der Universität Cambridge und leicht zwanghaft, wird gegen seinen Willen vorübergehend Halter des sehr klugen und äußerst gesprächigen Graupapageis Gray. Dessen eigentlicher Besitzer Elliot, einer von Huffs Studenten, ist beim nächtlichen Fassadenklettern zu Tode gestürzt. Weil Augustus Huff nicht ausschließen kann, dass es sich bei dem vermeintlichen Unglücksfall in Wirklichkeit um einen Mord handelt, beginnt er nachzuforschen – was mit einem vorlauten Papagei auf der Schulter nicht ganz einfach ist. Aber die beiden raufen sich zusammen und bilden ein gutes Team, sodass der Todesfall aufgeklärt werden kann.

Ich hatte viel Spass beim Lesen des Romans, was den beiden Hauptfiguren zu verdanken ist. Augustus Huff ist sympathisch und auch ein bisschen schrullig. Gray wird glücklicherweise nicht vermenschlicht, aber seine aufgeschnappten Worte oder Sätze werden wie Kommentare und Hinweise eingesetzt und bringen die Handlung voran.

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Buchtipp: “Ich kann, du kannst, Erkan” von Inga Liebig

Wenn Flüchtlinge und andere Migranten unterschiedlichster Nationalitäten gemeinsam Deutsch lernen, stehen haarsträubende Missverständnisse auf der Tagesordnung. Aber der gemeinsame Integrations- und Deutschkurs bietet allen auch die Möglichkeit, andere Kulturen neben der eigenen und der deutschen kennen zu lernen. Inga Liebig leitet Integrationskurse in Berlin und erzählt mit viel Liebe und Humor aus ihrem Kursalltag, in dem ihre Schülerinnen und Schüler mit den Fallstricken der deutschen Sprache und der deutschen Alltagskultur kämpfen. Sie als Lehrerin wiederum erhält Einblick in die Alltagskultur der Herkunftsländer ihrer Schüler und entwickelt dabei einen neuen Blick auf ihr eigenes Heimatland, schaut sozusagen mal von außen auf Deutschland – und auf die deutsche Sprache. Die Geschichten sind erheiternd und erhellend gleichermaßen, es macht Spaß, das Buch zu lesen.

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Buchtipp des Monats: “Die Grammatik der Rennpferde” von Angelika Jodl

Salli Sturm ist 52 Jahre alt, Single und bringt ausländischen Erwachsenen mit Begeisterung die deutsche Sprache bei. Sergey Dyck war in Russland ein erfolgreicher Jockey, arbeitet in Deutschland aber aufgrund seiner dürftigen Deutschkenntnisse nur als Stallbursche. Zwischen den beiden einsamen Menschen gibt es keinerlei Berührungspunkte. Als Sergey aber seine Situation mit dem Kauf eines Rennpferdes verbessern möchte, braucht er Sallis Hilfe: als Sprachlehrerin wie als Strohfrau für den Pferdekauf. Und so prallen die beiden unterschiedliche Lebenswelten aufeinander und nähern sich allmählich einander an …

Mir hat gut gefallen, wie sich die sympathische Hauptfigur Salli im Laufe der Erzählung verändert. Sie lässt sich mutig auf Veränderungen in ihrem Leben ein und wird fast unmerklich selbstbewusster, ohne jedoch ihre Verletzlichkeit zu verlieren. Und auch der eher wortkarge Sergey bleibt nicht der, der er am Anfang der Geschichte war.

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Sachbuchtipp: “Kann mein Chemielehrer Crystal Meth herstellen?” von Andrea Gentile

Der italienische Journalist hat in seinem unterhaltsamen Sachbuch naturwissenschaftliche Phänomene, die in Kultserien vorkommen, verständlich erklärt. Dabei werden so wichtige Themen geklärt wie “Was tun bei einer Zombie-Epidemie?” (The Walking Dead), “Lügen alle Patienten?” (Dr. House), “Der Winter naht – aber wann ist er endlich da?” (Game of Thrones) oder “Das Cooper-Hofstadter-Paradoxon” (The Big Bang Theory) – und natürlich das titelgebende “Hausgemachte Methamphetamin” (Breaking Bad). Das Ganze kommt sowohl amüsant als auch wissenschaftlich durchdacht daher. Ein Must-Have für Serienfans!

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Buchtipp: “Engelspfade” von Alic Peterson

Der Titel des Buches klingt ja schon ein bisschen kitschig und lässt in Verbindung mit dem Cover eher einen esoterisch angehauchten Liebesroman vermuten. Statt dessen blättert sich die Geschichte von Cassandra auf, die mit Anfang 20 nach einem Autounfall querschnittsgelähmt und deshalb für den Rest ihres Lebens auf den Rollstuhl angewiesen ist. Nach dem Unfall zieht sie sich zunächst von allem zurück und hadert sehr mit ihrem Schicksal. Erst als sie den Golden Retriever Ticket kennen lernt, der zum Helferhund ausgebildet wurde und ihr von nun an zur Seite steht, bekommt sie wieder genügend Lebensmut und Selbstvertrauen, um einen – betreuten – Skiurlaub zu buchen. Dort lernt sie Charlie kennen, charmant, gut aussehend und ihr persönlicher Betreuer …

Cass’ Leben im Rollstuhl wird ziemlich klar und schonungslos beschrieben. Probleme und Schwierigkeiten des Alltags, die man sich als gehfähiger Mensch zum Teil gar nicht  so vorstellen kann, kommen sehr deutlich zur Sprache. Aber auch die persönliche Entwicklung von Cass, von abgrundtiefer Verzweiflung bis hin zu neuem Lebensmut und einem eigenständigen Leben, lesen sich sehr lebensnah. Und als kleines Schmankerl ist da auch noch eine schöne Liebesgeschichte. Mein Fazit also: ein rundum gelungenes Buch.

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Buchtipp: “Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster” von Susann Pásztor

Fred, alleinerziehender Vater eines 13jährigen Sohnes und eher verunsichert vom Leben, trifft bei seinem ersten Einsatz als ehrenamtlicher Sterbebegleiter ausgerechnet auf die störrische und unzugängliche Karla. Nichts läuft bei der todkranken 60jährigen mit Hippie-Vergangenheit so, wie Fred sich das vorher ausgemalt hat. Trotzdem bietet er beharrlich weiter seine Hilfe an und versucht, für Karla da zu sein. Er findet Verbündete unter Karlas Nachbarn und bei seinem Sohn Phil. Doch dann führt Freds übereifriges und voreiliges Verhalten zum Bruch mit Karla, der es immer schlechter geht. Fred zieht sich zurück. Am Ende wird zwar nicht alles gut, aber Fred kann doch noch für Karla das Fenster öffnen, und er hat einen neuen Zugang zum Leben gefunden.

Trotz des schweren Themas Sterbebegleitung und Tod ist der Roman wunderschön. Das liegt vor allem an der leichten und einfühlsamen Schreibweise von Susann Pásztor. Die Protagonisten sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, auch weil sie so ehrlich mit sich selbst sind und sich trotz ihrer kleinen Fehler und Schwächen dem Leben – und dem Sterben – so mutig wie selbstverständlich stellen.

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