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Buchtipp des Monats: “Sieh mich an” von Mareike Krügel

Katharina ist Anfang 40, berufstätige Mutter zweier halbwüchsiger Kinder und Ehefrau von Costas, mit dem sie zur Zeit eine stressbeladene Wochenendbeziehung führt. Sie beschreibt einen einzigen – eigentlich ganz normalen – chaotischen Tag in ihrem Leben. Und doch ist an diesem Tag alles anders: sie hat ein “Etwas” in ihrer Brust entdeckt, und ihr eigener möglicher Tod wirft sie völlig aus der Bahn. Sie hinterfragt ihre Ehe, ihr Dasein als Mutter und ihre berufliche  Karriere als Musikerzieherin im Kindergarten, sie lässt alle Höhen und Tiefen ihres Lebens gedanklich Revue passieren, während sie sich dem Wahnsinn ihres Alltags stellt. Am Ende des Tages kann sie Costas zumindest von dem “Etwas” in ihrer Brust erzählen, wenn auch auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

Es ist berührend zu lesen, wie Katharina durch ihre Entdeckung in einen Strudel aus wechselnden Emotionen hineingezogen wird, aus dem sie nur schwer wieder herausfindet, und natürlich fragt man sich unwillkürlich, wie man wohl selbst reagieren würde. Die dichte Atmosphäre des Romans tut ihr übriges, so dass man sich gut mit Katharina identifizieren kann.

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Buchtipp: “Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster” von Susann Pásztor

Fred, alleinerziehender Vater eines 13jährigen Sohnes und eher verunsichert vom Leben, trifft bei seinem ersten Einsatz als ehrenamtlicher Sterbebegleiter ausgerechnet auf die störrische und unzugängliche Karla. Nichts läuft bei der todkranken 60jährigen mit Hippie-Vergangenheit so, wie Fred sich das vorher ausgemalt hat. Trotzdem bietet er beharrlich weiter seine Hilfe an und versucht, für Karla da zu sein. Er findet Verbündete unter Karlas Nachbarn und bei seinem Sohn Phil. Doch dann führt Freds übereifriges und voreiliges Verhalten zum Bruch mit Karla, der es immer schlechter geht. Fred zieht sich zurück. Am Ende wird zwar nicht alles gut, aber Fred kann doch noch für Karla das Fenster öffnen, und er hat einen neuen Zugang zum Leben gefunden.

Trotz des schweren Themas Sterbebegleitung und Tod ist der Roman wunderschön. Das liegt vor allem an der leichten und einfühlsamen Schreibweise von Susann Pásztor. Die Protagonisten sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, auch weil sie so ehrlich mit sich selbst sind und sich trotz ihrer kleinen Fehler und Schwächen dem Leben – und dem Sterben – so mutig wie selbstverständlich stellen.

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Buchtipp: “Im Entschwinden so nah” von Barbara Keifenheim

keifenheimDie Psychologin und Ethnologin Barbara Keifenheim beschreibt ehrlich und ungeschönt, wie sie die zunehmende Alzheimererkrankung ihrer Mutter erlebt, von den ersten irritierenden Anzeichen der Krankheit bis hin zum Tod ihrer Mutter. In erschütternden Tagebuchaufzeichnungen beschreibt sie die letzten 15 Monate im Leben ihrer Mutter, als die Demenz immer raumgreifender wird und das Alltagsleben der Eltern im Pflegeheim völlig umkrempelt. Dazwischen eingestreut sind Erinnerungen an frühere Zeiten des Familienlebens und an das schwierige und distanzierte Verhältnis, das zwischen Mutter und Tochter zeitlebens geherrscht hat. In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet die Autorin mögliche Erklärungen für den eigensinnigen und komplizierten Charakter der Mutter, der mit zunehmendem Gedächtnisverlust immer stärker hervortritt. Obwohl sie immer wieder an ihre emotionalen Grenzen gerät, versucht Barbara Keifenheim, sich der Demenzerkrankung auch als Ethnologin zu nähern, kann sich oft auf die veränderte Wahrnehmung der Mutter einlassen und erlebt durchaus auch schöne Momente mit ihr. Der Bericht der fortschreitenden Erkrankung und der sich wandelnden Mutter-Tochter-Beziehung hat mich sehr berührt.

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