Schlagwort-Archive: Biografie

Buchtipp des Monats: “Willkommen bei den Friedlaenders!” von Adrienne Friedlaender

Der Untertitel des Buches beschreibt das Thema gar nicht schlecht: ” Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan”. Aber der Reihe nach: Adrienne Friedlaender und ihre vier Söhne beschließen ziemlich spontan, selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden und einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen. So kommt für einige Monate der 22jährige Moaaz aus Syrien zu der Familie – und integriert sich schnell und gut ins Familienleben, trotz mancher Irritationen und Missverständnisse. Die Autorin, von Beruf Journalistin, beschreibt in diesem Erfahrungsbericht sehr ehrlich die Herausforderungen, die so eine Aktion mit sich bringt, aber auch die schönen und lustigen Momente des interkulturellen Zusammenlebens. Sie macht Mut, auf das Fremde  bzw. den Fremden zuzugehen und mehr auf das Verbindende als auf das Trennende zu schauen. Ein positives Beispiel, das Nachahmer finden sollte!

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Buchtipp: “Sie kam aus Mariupol” von Natascha Wodin

Die Autorin wurde 1945 in Franken als Tochter sowjetisch-ukrainischer Zwangsarbeiter geboren und hat 1956 als 10jährige den Selbstmord ihrer psychisch kranken Mutter erlebt. Erst Jahrzehnte später macht sich Natascha Wodin auf die Suche nach ihren tief in der Geschichte versunkenen Wurzeln und fördert mit viel Glück, Geduld  und Unterstützung durch einen ukrainischen Ahnenforscher Erstaunliches zu Tage: Ihre Mutter stammte aus einer wohlhabenden ukrainisch-italienischen Familie, die in den Jahren der russischen Revolution, der Zwangskollektivierungen unter Stalin und den darauf folgenden Hungerjahren Furchtbares erdulden musste. Als 23jährige wurde sie 1944 gemeinsam mit ihrem russischen Ehemann zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und blieb auch nach dem Krieg dort –  wohl, weil Überlebende der Zwangsarbeit in Russland als Kollaborateure der Nazis und damit als Volksverräter galten. Glücklicher wurde das Leben im Nachkriegsdeutschland allerdings nicht, denn die Familie wurde aufgrund ihrer Nationalität immer noch von den meisten ihrer Mitbürger verachtet.

Natascha Wodin nähert sich ihrer Familiengeschichte langsam und vorsichtig, nimmt den Leser mit in die lebensbedrohliche Geschichte der Ukraine zwischen kommunistischer Revolution und Besetzung durch Nazideutschland und schält langsam das ergreifende Schicksal ihrer Familie heraus. Letztendlich kann sie so auch ihre Mutter mit neuen Augen betrachten.

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Buchtipp: “Im Entschwinden so nah” von Barbara Keifenheim

keifenheimDie Psychologin und Ethnologin Barbara Keifenheim beschreibt ehrlich und ungeschönt, wie sie die zunehmende Alzheimererkrankung ihrer Mutter erlebt, von den ersten irritierenden Anzeichen der Krankheit bis hin zum Tod ihrer Mutter. In erschütternden Tagebuchaufzeichnungen beschreibt sie die letzten 15 Monate im Leben ihrer Mutter, als die Demenz immer raumgreifender wird und das Alltagsleben der Eltern im Pflegeheim völlig umkrempelt. Dazwischen eingestreut sind Erinnerungen an frühere Zeiten des Familienlebens und an das schwierige und distanzierte Verhältnis, das zwischen Mutter und Tochter zeitlebens geherrscht hat. In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet die Autorin mögliche Erklärungen für den eigensinnigen und komplizierten Charakter der Mutter, der mit zunehmendem Gedächtnisverlust immer stärker hervortritt. Obwohl sie immer wieder an ihre emotionalen Grenzen gerät, versucht Barbara Keifenheim, sich der Demenzerkrankung auch als Ethnologin zu nähern, kann sich oft auf die veränderte Wahrnehmung der Mutter einlassen und erlebt durchaus auch schöne Momente mit ihr. Der Bericht der fortschreitenden Erkrankung und der sich wandelnden Mutter-Tochter-Beziehung hat mich sehr berührt.

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