Schlagwort-Archive: Familie

Buchtipp des Monats: “Sieh mich an” von Mareike Krügel

Katharina ist Anfang 40, berufstätige Mutter zweier halbwüchsiger Kinder und Ehefrau von Costas, mit dem sie zur Zeit eine stressbeladene Wochenendbeziehung führt. Sie beschreibt einen einzigen – eigentlich ganz normalen – chaotischen Tag in ihrem Leben. Und doch ist an diesem Tag alles anders: sie hat ein “Etwas” in ihrer Brust entdeckt, und ihr eigener möglicher Tod wirft sie völlig aus der Bahn. Sie hinterfragt ihre Ehe, ihr Dasein als Mutter und ihre berufliche  Karriere als Musikerzieherin im Kindergarten, sie lässt alle Höhen und Tiefen ihres Lebens gedanklich Revue passieren, während sie sich dem Wahnsinn ihres Alltags stellt. Am Ende des Tages kann sie Costas zumindest von dem “Etwas” in ihrer Brust erzählen, wenn auch auf eine ungewöhnliche Art und Weise.

Es ist berührend zu lesen, wie Katharina durch ihre Entdeckung in einen Strudel aus wechselnden Emotionen hineingezogen wird, aus dem sie nur schwer wieder herausfindet, und natürlich fragt man sich unwillkürlich, wie man wohl selbst reagieren würde. Die dichte Atmosphäre des Romans tut ihr übriges, so dass man sich gut mit Katharina identifizieren kann.

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Buchtipp des Monats: “Willkommen bei den Friedlaenders!” von Adrienne Friedlaender

Der Untertitel des Buches beschreibt das Thema gar nicht schlecht: ” Meine Familie, ein Flüchtling und kein Plan”. Aber der Reihe nach: Adrienne Friedlaender und ihre vier Söhne beschließen ziemlich spontan, selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv zu werden und einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen. So kommt für einige Monate der 22jährige Moaaz aus Syrien zu der Familie – und integriert sich schnell und gut ins Familienleben, trotz mancher Irritationen und Missverständnisse. Die Autorin, von Beruf Journalistin, beschreibt in diesem Erfahrungsbericht sehr ehrlich die Herausforderungen, die so eine Aktion mit sich bringt, aber auch die schönen und lustigen Momente des interkulturellen Zusammenlebens. Sie macht Mut, auf das Fremde  bzw. den Fremden zuzugehen und mehr auf das Verbindende als auf das Trennende zu schauen. Ein positives Beispiel, das Nachahmer finden sollte!

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Buchtipp: “Good as Gone” von Amy Gentry

Als 13-jährige wird Julie nachts aus ihrem Elternhaus entführt, nur ihre jüngere Schwester Jane ist Zeugin des Vorfalls. Vater, Mutter und Schwester gehen auf unterschiedliche Art mit dem Schicksalsschlag um, und mit der Familie steht es nicht zum Besten, als Julie 8 Jahre später plötzlich unangekündigt vor der Türe steht. Doch bald verstrickt sie sich in Lügen, Zweifel kommen auf. In Julies Mutter keimt ein furchtbarer Verdacht: Ist diese junge Frau tatsächlich ihre verschwundene Tochter?

Erzählt wird aus Sicht der Mutter und verschiedener Frauen. Erst allmählich bekommt man eine Idee, warum das so ist und was tatsächlich passiert sein könnte – es bleibt also spannend bis zum Schluss!

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Buchtipp: “Der Schatz des Herrn Isakowitz” von Danny Wattin

isakowitzDas Buchcover deutet auf einen heiteren Familienroman oder einen modernen humorvollen Abenteuerroman hin. Zum Teil stimmt das auch, wird doch auf sehr amüsante Art und Weise von einer ungewöhnlichen Schatzsuche berichtet, die Opa Gunnar, Vater Danny und seinen 9jährigen Sohn Leo aus Schweden ins polnische Kwidzyn (das frühere ostpreußische Marienwerder) führt. Amüsant sind vor allem die Plänkeleien zwischen Gunnar und Danny, die gerne mal aneinander geraten, und die Berichte über die merkwürdigen Eigenheiten der vielzähligen Verwandtschaft.

Aber schnell wird klar: es handelt sich um die wahre und gut recherchierte Geschichte der jüdischen Familie des Autors, die aus Deutschland stammt und die den Nationalsozialismus nur zum Teil überlebt hat. Nach und nach wird das Schicksal der Verwandten aufgeblättert, wie sie unter den Nazis litten, wie einigen Familienmitgliedern die Flucht nach Schweden, Argentinien oder Palästina gelang, von wo aus sie unermüdlich versuchten, Eltern oder Geschwister nachzuholen, und wie andere Verwandten inhaftiert oder ermordet wurden. Und er erzählt,wie schwer das Leben als unwillkommener jüdischer Flüchtling im Schweden der 30er und 40er Jahre war.

Danny Wattin kann nicht nur gut schreiben, er hat auch die beiden Handlungsstränge so gut miteinander verknüpft, dass man beim Lesen in ein wahres Wechselbad der Gefühle gerät, bei dem das Lachen immer wieder im Halse stecken bleibt. Ich kann den Roman unbedingt weiterempfehlen! Und der Schatz? Der Urgroßvater des Autors, Hermann Isakowitz, vergrub vor seinem Verschwinden “das Wertvollste, was er besaß, unter einem Baum auf seinem Grundstück” …

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Buchtipp: “Im Entschwinden so nah” von Barbara Keifenheim

keifenheimDie Psychologin und Ethnologin Barbara Keifenheim beschreibt ehrlich und ungeschönt, wie sie die zunehmende Alzheimererkrankung ihrer Mutter erlebt, von den ersten irritierenden Anzeichen der Krankheit bis hin zum Tod ihrer Mutter. In erschütternden Tagebuchaufzeichnungen beschreibt sie die letzten 15 Monate im Leben ihrer Mutter, als die Demenz immer raumgreifender wird und das Alltagsleben der Eltern im Pflegeheim völlig umkrempelt. Dazwischen eingestreut sind Erinnerungen an frühere Zeiten des Familienlebens und an das schwierige und distanzierte Verhältnis, das zwischen Mutter und Tochter zeitlebens geherrscht hat. In der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet die Autorin mögliche Erklärungen für den eigensinnigen und komplizierten Charakter der Mutter, der mit zunehmendem Gedächtnisverlust immer stärker hervortritt. Obwohl sie immer wieder an ihre emotionalen Grenzen gerät, versucht Barbara Keifenheim, sich der Demenzerkrankung auch als Ethnologin zu nähern, kann sich oft auf die veränderte Wahrnehmung der Mutter einlassen und erlebt durchaus auch schöne Momente mit ihr. Der Bericht der fortschreitenden Erkrankung und der sich wandelnden Mutter-Tochter-Beziehung hat mich sehr berührt.

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